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Heiner Geißler Interview   11.04.2010

Political leadership style

Jörg Schönenborn: Ich ziehe mal einen anderen Vergleich. Die Kanzlerin heute ist eine, der nachgesagt wird, daß sie zuviel moderiere, und zuwenig regiere. Der Kanzler damals war einer, dem vorgeworfen ist, daß er aussitzt. Auf der anderen Seite gibt es auch bei beiden Leute die sgaen, das ist vielleicht gar nicht so dumm: Erst mal die Konflikte sich gegeneinander ausspielen zu lassen. Haben die beiden mehr miteinander [gemeinsam] als man so denkt?

Heiner Geißler: Nein. Ich glaube, daß Angela Merkel mit Helmut Kohl wenig gemeinsam hat. [...] In einer Demokratie kann man nicht mit einer Faust auf den Tisch hauen. Und wenn man es trotzdem tut, dann läuft die Sache schief. Das hat Gerhard Schröder bitter büßen müssen. D.h. er hat es nicht gebüt, seine Partei hat es büßen müssen. Diese Bastapolitik war der Anfang vom Ende der SPD. Die Agenda 2010 den Leuten einfach zu verordnen, und sie vor der Alternative zu stellen: Entweder stürzen wir den Kanzler, oder wir stimmen halt den Blödsinn zu. Das ging hin bis zu der Vergewaltigung der SDP-Abgeordneten. Z.B. als es darum ging im Deutschen Bundestag für den Afghanistan-Einsatz oder den Mazedonien-Einsatz zu stimmen. Und der Müntefering als Generalsekretär gesagt hat: Wenn ihr nicht zustimmt, dann werden wir bei der nächsten Delegiertenversammlung dafür sorgen, daß ihr nicht mehr aufgestellt werdet.

Für die CDU, muß ich sagen, unvorstellbar. Ich war 12 Jahre Generalsekretär. Aber wenn ich das gemacht hätte, dann hätte ich nicht überlebt, mit sicherheit nicht. Das haben die gemacht: Bastapolitik, das Volk einer Partei antreten zu lassen, und zu sagen, rechts um, links um. Das ist die Vorstellung, die im Übrigen auch in der Publizistik weit verbreitet ist. Sie können überall lesen: Ja, wenn die mal nicht so streiten würden, und wenn da mal endlich einer sagen würde wo es lang geht... Das kennen wir ja aus der deutschen Politik, "sagen, wo es lang geht". Das ist das, was Deutsche von einer Regierung verlangen. Aber so funtioniert Demokratie nicht.



 

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