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Heiner Geißler Interview   11.04.2010

Capital must serve people, not vice-versa

Jörg Schönenborn: Was kann man dem entgegen setzen, in einer Situation in der wir noch immer nicht wissen ob wir nicht an einem weltpolitischen Wendepunkt sind, wie es nach der Krise weiter geht, ob sie noch mal wieder kommt, oder ob es doch einen anderen Ausweg gibt?

Heiner Geißler: Ein grundlegendes anderes Konzept. Wir haben ja ein Prototyp, eine Wirtschaftsordnung die erfolgreich gewesen ist, eine Wirtschafts- und soziale Philosophie, nämlich die Soziale Marktwirtschaft, [eingeführt] vor 60 Jahren. Das war ein ethisches Bündnis zwischen dem Ordoliberalismus und der katholischen Soziallehre, und der evangelischen Sozialethik.

Was wir brauchen ist ein Umdenken. Das Kapital ist ja nicht schlecht [an sich]. Ich rede auch nicht gegen den Markt, ganz im Gegenteil. Aber das Kapital hat, wenn ich es richtig sehe und mir die Ordnung richtig vorstelle, dem Menschen zu dienen, darf niemals die Menschen beherrschen. Heute ist es aber umgekehrt. Die Menschen haben die Kapitalinteressen zu dienen - das Kapitalbeherrscht die Menschen - mit einer verheerenden Folge. Wir werden total durchökonomisiert, in der Bildung, in der Gesundheitspolitik, überall. Der Mensch gilt umso mehr, je weniger er kostet. Umgekehrt gilt er umso weniger, je mehr er kostet. Das ist der Kapitalismus. Deswegen werden unsere Krankenhäuser umgewidmet in gewinnmaximierte Unternehmen.
Der Patient - der leidende Mensch - mutiert zum Kunden, als ob das Gesundheitswesen der Mediamarkt wäre. Der Chefarzt wird zum Fallpauschalenjongleur, der 30% seiner Arbeitszeit darauf verwenden muß, die richtige Fallkostenpauschale herauszufinden die zum Eingriff paßt den er gerade vorgenommen hat - aber ökonomisch paßt. Vor allem dem Geschäftsführer paßt, der außer BWL nichts, aber auch gar nichts in seinem Leben gelernt hat. Das ist unsere Situation.



 

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