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Dr. Alfred Jahn

Biographie

1937 Alfred Jahn wird in Duisburg geboren. Nach Kriegsende wächst er in der Sowjetischen Besatzungszone auf, und beginnt dort ein Medizinstudium.
1956 Wegen Teilnahme an anti-kommunistischen Aktivitäten während des Ungarn-Aufstandes muß er sein Studium unterbrechen, bis er es durch den Einfluß eines berühmten Professors fortsetzen durfte.
1962 Alfred Jahn promoviert in Ostberlin. Nachdem bekannt wird, daß er zwei Leuten bei der Flucht nach dem Westen geholfen hatte, muß er am 2. Februar 1963 selber fliehen.
1963+ Jahn arbeit als wissenschaftlicher Assistent am Physiologischen Institut der Universität Bonn
1967-1969 Während des Vietnamkrieges: Jahn behandelte zweieinhalb Jahre lang verwundete und kranke Erwachsene und Kinder an bord des Hospitalschiffes "Helgoland", das entlang der Vietnamesischen Küste operierte, und in drei Provinzkrankenhäuser. Später verbringt er (insgesamt) weitere sechs Monate in jenen Krankenhäusern.
1969-1978 Alfred Jahn arbeitet als Chirurg in Augsburg. Später wird er Kinderchirurg mit Anstellungen in Augsburg, London, und München.
1978-1980 Jahn verbringt seine Urlaubszeiten in Thailand wo er als Kinderchirurg arbeitet.
1981 Als Mitarbeiter der Gesellschaft für wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit , verbringt Jahn ein Jahr in 21 Thailändischen Provinzkrankenhäusern in der Kinderchirurgie.
1983+ Alfred Jahn wird Chefarzt der neuen Abteilung für Kinderchirurgie des Kinderkrankenhauses in Landshut. Dort setz er sich dafür ein, daß kriegsverletzte Kinder aus Afghanistan, Palästina, Somalia, Rumänien, Serbien und zuletzt aus Ruanda aufgenommen und behandelt werden können.
1997+ In seinem Urlaub besucht Jahn regelmäßig Ruanda, arbeitet dort als (des Landes einziger) Kinderchirurg.
2002+ Alfred Jahn tritt in Ruhestand, und wohnt nunmehr ständig in Ruanda, um dort als Kinderchirurg zu arbeiten, und für 50-70 Kinder und Jugendliche zu sorgen. Eines von ihnen adoptiert er.

Die Geschichte von Dr. Alfred Jahn's Projekt in Ruanda

Christina Geiger, 14.07.2008

Im Jahre 1997 flog er zum ersten Mal nach Ruanda, um dort Kinder zu operieren. Drei Jahre zuvor war dort ein grausamer Völkermord geschehen. Aufgehetzte Hutu, die 85% der Gesamtbevölkerung stellten, brachten innerhalb von drei Monaten 1 Million Tutsi und oppositionelle Hutu um. Als Dr.Jahn 1997 nach Ruanda kam gab es dort nur wenige Ärzte, nur noch vier Chirurgen und überhaupt keinen Kinderchirurgen. Er hat viele Kinder operiert und ist danach jedes Jahr, bis er in den Ruhestand ging, während seines Urlaubes hingeflogen, um dort zu arbeiten und seit 2002 lebt er nun ständig dort.
Vom ersten Tag an sind ihm Kinder begegnet, die auf der Straße lebten und bettelten. Er gab ihnen Brot, Milch und Eier.
Langsam entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis zwischem ihm und zehn Kindern, die er täglich sah. Eines Tages machte die Polizei eine Razzia und nahm alle Kinder mit. Dr.Jahn kontaktierte den Kommandanten, der ihm sagte, wenn er den Kindern helfen wolle, müsse er dafür sorgen, daß sie von der Straße runterkämen.
Das war der entscheidende Anstoß, nunmehr Verantwortung für Kinder zu übernehmen. Als die Kinder aus dem Gefängnis entflohen, mietete er ihnen ein kleines Haus, organisierte die Versorgung mit Nahrungsmitteln und meldete sie in einer Schule an. Das sprach sich natürlich herum.

Als Dr.Jahn im Jahre 2002 nach Ruanda kam, um seine Arbeit in den Krankenhäusern nun ständig und als full-time-job zu machen, kamen täglich Kinder und Jugendliche zu ihm mit der Bitte, ihnen zu helfen, um in die Schule gehen zu können. Manche brauchten nur eine finanzielle Unterstützung, andere hatten buchstäblich nichts: keinen Platz zum Schlafen, keine Kleidung, keine Nahrung, keine Angehörigen.
Viele waren Vollwaisen. Alle, die älter waren als 13 Jahre hatten den Völkermord bewußt erlebt, hatten in großem Elend, in Angst, in Einsamkeit gelebt. Einige hatten keine Eltern mehr, aber noch Familienangehörige, die aber sehr arm waren. Alle waren schlecht ernährt, ärmlich gekleidet und blickten Dr.Jahn traurig an. Jetzt sind wir im Jahre 2005 und Dr.Jahn versorgt 70 Kinder und Jugendliche. Er hat fünf Häuser gemietet, in denen die meisten wohnen. Einige leben weiterhin bei Bekannten oder Verwandten, kommen täglich um Essen, und sie erhalten finanzielle und materielle Hilfen, um zur Schule gehen zu können.

Ruanda ist ein armes, kleines Land im Zentrum Afrikas, knapp südlich des Äquators gelegen. Es ist mit ca. 8 Millionen überbevölkert. Das Land ist sehr hügelig. Die Bewirtschaftung der Felder ist schwierig und wird wesentlich von Hand gemacht. Die Zukunftschancen sind gering, deshalb ist es so wichtig, daß die Kinder einen Schulabschluss erreichen und dann Berufsausbildung oder ein Studium abschließen.
Die geschichtlichen Ereignisse, der Völkermord 1994, an dem soviele Menschen als Täter beteiligt waren, hat das ganze Volk traumatisiert und verunsichert. Niemand kann vergessen, was geschehen ist. Seit Jahren wird eine juristische Aufarbeitung und eine Versöhnung angestrebt. Wir, die Menschen, die anderen Ländern leben, haben damals dem Völkermord zugeschaut und nichts getan, um ihn Einhalt zu gebieten. Wir stehen in der Schuld und müssen Ruandern helfen.
Viele Kinder und Jugendliche haben längst resigniert. Sie haben sich damit abgefunden ein Leben ohne Hoffnung, mit all den Brutalitäten und Absurditäten für immer leben zu müssen.

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Dr. Alfred Jahn wurden Auszeichnungen verliehen in Deutschland, Thailand und Vietnam

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Quellen:

[1] Homepage "Kinderhilfe in Ruanda" non-profit organization

[2] BR5-Podcast "Der deutsche Engel von Kigali - Über die Arbeit von Dr. Alfred Jahn in Ruanda", Gesundheitsmagazin, 25.04.2010

[3] Youtube video, 2:13min "Dr. Alfred Jahn mit seinen Kindern in Rwanda", 22.05.2009

[4] Bayer. Rundfunk-Alpha "Interview mit Dr. Alfred Jahn", 30.11.2007