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Geschehnisse

[04.06.2010] Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Am 20. April ist 100 km südöstlich des Mississippi-Deltas eine Plattform, die für BP aus 2,4 km Tiefe Öl fördern sollte explodiert. Sie fing Feuer und sank einige Tage danach. Elf Arbeiter kamen ums Leben.



















Physikalische Folgen und Maßnahmen

Seit dem Unfall:

Das Öldesaster fängt an, die Finanzkrise als das Nummer-Eins Problem für die USA zu ersetzen. Obama zeigt sich zunehmend wütend.

Finanzielle Gesichtspunkte


Politische Kritik (und Konsequenzen?)

1. Kritik an BP

Die Sicherheitsakte von BP und der behördlichen Agentur zur Überwachung von Ölbohrungen im Meeresboden wurden bei einer Anhörung in Washington am 19. Mai scharf kritisiert:
'Viele Einzelheiten dieser Tragödie sind dem Ausschuß bekannt', sagte der Repubkikaner Oberstar, Vorsitzender des Transport und Infrastruktur Ausschusses. Als der Präsident von BP America, Lamar McKay vor dem Ausschuß befragt wurde, griff Oberstar die 'bedauerliche Akte' in Sachen Sicherheit an, und fügte hinzu, daß der Unfall vor der Küste Louisianas das letzte einer ganzen Reihe von BPs Sicherheitsverfehlungen darstellte.
Dazu zählen eine tödliche Explosion in einer Raffinerie in Texas, und 'die schlimmste Verseuchung in der Geschichte der Ölentwicklung im Norden Alaskas', Vorkomnisse die 'Zweifel entstehen lassen, ob die Firma die Praxis und die Einstellung besitzt, die zum Schutze der Öffentlichkeit notwendig ist', sagte Oberstar.
'Hinsichtlich Meeresbohrungen in großer Tiefe hat BP eindrucksvolle wissenschaftliche und technologische Erfahrung erworben. Man muß sich wundern, weshalb die Firma keine ähnliche Wissenschaft und Technik aufgebaut hat, um das Auftreten von Fehlern vorauszusehen, um Redundanz vorzusehen für den Fall, daß Fehler vorkommen, und für Aufräumarbeiten nach dem Auftreten von Öl'.

2. Kritik an der Überwachungsbehörde

Oberstar nahm sich auch die Minerals Management Service, die Agentur des Innenministeriums verantwortlich für die Überwachung von Ölbohrungen auf Land und zur See vor. Er attestierte der Behörde einen 'beunruhigenden Mangel an Engagement für Sicherheit, und einen übermäßigen Vertrauen, daß die Industrie sich selber regulieren wird'.

'Die Minerals Management Service war sich der Bedeutung einer effektiven Überwachung von Meeresbohrungen nicht bewußt', sagte er.

Innenminister Salazar gab 'ethische Unzulänglichkeiten' seitens der MMS zu. 'Wir müssen das Haus aufräumen', sagte er, und fügte hinzu, daß es 'ein paar faule Äpfel' unter den 1700 Angestellten der Agentur gab.

3.Konkrete politische Maßnahmen


Eulenspargel:

Kommentar 1

Der Interessenskonflikt im Verhältnis der Überwachungsbehörde MMS* mit den Ölfirmen ist dem Interessenskonflikt der Finanzratingagenturen mit den Herausgebern von bewerten Wertpapieren ähnlich.
*) US Department of the Interior Minerals Management Service

Kommentar 2

[7] BPs kategorisches und arrogantes "nein" zu den behördlichen Forderungen, sowie die Abwesenheit jeglicher staatlicher und wissenschaftlicher Anstrengungen um detailliertes Wissen über die Lage zu erhalten* demonstriert wieder einmal, daß Firmen der Größe von BP das letzte Wort in den demokratischen Staaten haben, sogar in Staaten der Größe der USA.
*) keine Luftüberwachung der betroffenen Regionen seitens der Umweltbehörde EPA, keine Studien, die beziffern könnten, was dem Ökosystem droht, keine Beteiligung der Ozeanografiebehörde NOAA, und die OSHA (Occupational Safety and Health Administration), die sich um die Gesundheit von Arbeitern kümmert, sagt sie könne nichts tun, weil die Leute außerhalb der Küstengewässer im Einsatz sind.

Kommentar 3

Zitat von Ozeanographin und Umweltschützerin Riki Ott [7]: "Die US-Regierung hat keinerlei Werkzeug, um auf ein solches Desaster zu reagieren. [Die USA ist] vollständig von BP abhängig, und das ist vollkommen inakzeptabel. Es ist, als ob man einem betrunkenen Autofahrer die Verantwortung für die Unfallermittlung und die Rettungsmaßnahmen übertragen würde".
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Quellen:

[1] BBC "Oil rig blaze off Louisiana leaves at least 11 missing", 21.04.2010 [englisch]

[2] NY Times "Giant Plumes of Oil Forming Under the Gulf", 16.05.2010 [englisch]

[3] LA Times "Republican senator blocks higher liability cap on oil spills", 19.05.2010 [englisch]

[4] LA Times "Gulf oil spill: BP safety record blasted by House panel", 19.05.2010 [englisch]

[5] NY Times "Conflict of Interest Worries Raised in Spill Tests", 20.05.2010 [englisch]

[6] NY Times "Agency Orders Use of a Less Toxic Chemical in Gulf", 20.05.2010 [englisch]

[7] Zeit "BP hat mehr Macht als die US-Regierung", 26.05.2010

[8] NY Times "Obama Says He’ll Push for Clean Energy Bill", 02.06.2010 [englisch]

[9] grist "Everything you always wanted to know about the Waxman-Markey energy/climate bill—in bullet points", 03.06.2010 [englisch]

[10] NY Times "Logs Show Coast Guard Saw Potential Threat Early", 03.06.2010 [englisch]

[11] BBC "BP reaches key 'milestone' in halting Gulf oil leak", 03.06.2010 [englisch]

[12] BBC "BP lowers a cap onto leaking Gulf of Mexico oil well", 04.06.2010 [englisch]



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